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Gesellschaftsstudien Mittwoch, 16.05.2007

Posted by zwannzig in einundzwanzig.
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In Berlin lebt eine mächtige Menge Menschen. Zwei besonders eindrucksvolle Arten sind mir heute vormittag auf dem Weg zur Arbeit aufgefallen.

Typ 1 – Exzentrischer Mensch ohne festen Wohnsitz

Vor der Dönerbude Oktagon an der Warschauer Straße, Ecke Revaler Straße stehen Bierbänke und -tische. Heute morgen war es sonnig, aber frisch. Auf einer dieser Bierbänke saß ein Herr mittelspäten Alters in kurzer Hose aus hellblauem Jeansstoff, dazu trug er Goldkettchen und Badelatschen. Ach ja: Sonst trug er nichts. Die Frisur: ein ergrauter Vokuhila. Der Mann saß der Straße zugewandt da, beide Hände auf den Oberschenkeln abgestützt und lauschte dem tragbaren Radio, das vor ihm auf dem Boden stand und aus dem ein schrecklich gut gelaunter Radiomoderator gerade irgendwas von Superhelden erzählte.

Typ 2 – Eingebildete alte Schachtel
Treppabwärts am Alexanderplatz in Richtung U-Bahn lief eine gruppe Frauen um die 40 und diskutierte folgendes: „Wat haste denn da eigentlich für ne schicke Tasche, Gisela?“ .. „Die? Wart mal, wo ha’ ich die hea?“ … „Ick gloob die ha’ ick, … die ha’ ick … als es Lafayette auf gemacht hat .. wann war das? .. Vor sechs Jahren? Ja, da ha’ ick di hea!“ „Is ja’n Ding – und die hält immernoch!“ (bewundernd)

Jetzt zu Typ 2: Vor der Gruppe emsig über die Haltbarkeit von Billigtaschen diskutierender Damen lief eine ebenso alte Dame mit wasserstoffblonden Haaren, die schwarze Sonnenbrille kokett auf den Kopf gesetzt (nicht auf die Augen). Gekleidet in einer eleganten schwarzen Hose, dazu teuflisch spitz zulaufende Lacklederschuhe und ein schwarzer Nadelstreifentrenchcoat. Mehr konnte ich bis dahin nicht sehen.

Doch als diese Dame die Unterhaltung der anderen hörte, drehte sie sich, am Ende der Treppe angekommen, langsam um und blickte die Damengruppe verächtlich und spöttisch an. „Was?! Sechs Jahre die selbe Tasche? .. Armselig!“ Das hat sie nicht gesagt, aber vermutlich gedacht. Noch mehr erschrocken war ich jedoch von ihrem Gesicht, das aussah als wäre sie ein paar Mal zu viel geliftet worden – die Mimik reicht gerade noch für ein verächtliches Hochziehen der Augenbrauen und Oberlippe.. Immerhin. (Anmerkung: Typ 2 trifft inzwischen auch für einige Damen ab 15 zu.)

Wie gut, dass es in Berlin eine mächtige Menge mehr Menschen gibt, die vielleicht manchmal nicht so interessant scheinen wie Typ 1, aber viel willkommener und herzlicher sind als Typ 2 und andere Dinge im Leben schätzen, als eine Prada-Tasche zu besitzen.

Auf die Menschenmenge! *prost*

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